Archiv für November 25, 2014

Syrien: Menschenwürdige Krankenversorgung in einem menschenverachtenden Krieg (FOTO)

Köln (ots) – Die Hilfsorganisation Islamic Relief Deutschland setzt sich in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Syrischen Verein zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte (DSV) e.V. auch im vierten Jahr des fürchterlichen Krieges in Syrien für die Krankenversorgung von zivilen Opfern und chronisch erkrankten Menschen ein.

Die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung in verschiedenen Krankenhäusern mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amtes wurde bereits April 2013 begonnen.

Die medizinische Grundversorgung in Syrien ist seit Langem zusammengebrochen. Es fehlen sowohl medizinische Materialien und Medikamente für die Krankenhäuser als auch ausreichend Personal. Nach Angaben der WHO können 73 Prozent der Krankenhäuser und 27 Prozent der Gesundheitsstationen keine Leistungen mehr erbringen. Viele Menschen sterben nicht nur an den Folgen von Kriegsverletzungen, sondern auch an Krankheiten, die unter anderen Umständen nicht lebensbedrohlich wären. Laut einer Untersuchung sind seit Ausbruch des Krieges über 200.000 Menschen durch unzulängliche Gesundheitsversorgung an chronischen Krankheiten gestorben.

„Es ist unsere Pflicht für eine menschenwürdige Gesundheitsversorgung für die Zivilbevölkerung in Syrien in diesem fürchterlichen Bürgerkrieg zu sorgen“, sagt Tarek Abdelalem, Geschäftsführer von Islamic Relief Deutschland, zum gemeinsamen Einsatz mit der DSV. „Als Deutsch-Syrer ist es für uns erschreckend und schmerzlich, was in Syrien passiert. Deshalb sind wir weiterhin sehr bemüht, unser gemeinsames humanitäres Engagement zu erhöhen“, so Safouh Labanieh, Geschäftsführer des Deutsch-Syrischen Vereins zur Förderung der Freiheiten und Menschenrechte.

Im ersten Jahr konnten Islamic Relief Deutschland und DSV durch die Ausstattung von Intensivstationen mit Medikamenten und Utensilien Kranke und Schwerverletzte erfolgreich versorgen. Dabei wurden vor allem chronisch kranke Menschen wie Dialysepatienten versorgt und die Grundversorgung von Krankenhäusern und Gesundheitsstationen gesichert.

Derzeit werden 44 Krankenhäuser und Gesundheitszentren mit medizinischen Materialien ausgestattet, wodurch 45.000 Patienten kostenlos behandelt werden können. Außerdem werden zehn Dialysezentren mit entsprechenden Materialien beliefert. Um eine entsprechend qualitative Versorgung gewährleisten zu können, werden monatlich 150 Personen aus dem medizinischen Bereich aus- und weitergebildet. Die Hilfsgüter werden hauptsächlich in der Türkei gemäß den vom Auswärtigen Amt vorgeschriebenen Richtlinien beschafft. Die Materialien werden durch überprüfte Helfer an die Krankenhäuser überbracht.

Im ersten Jahr umfasst die Hilfe 1,2 Millionen Euro. Für die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung ist bis Februar 2015 eine Hilfe von mehr als drei Millionen Euro vorgesehen.

 Islamic Relief Deutschland ruft weiterhin zu Spenden zur Unterstützung von syrischen Kriegsopfern auf: 
 Stichwort "Nothilfe-Syrien" Spendenkonto: 12 20 20 99, Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 50198 IBAN: DE 94 370501980012202099, BIC: COLS DE 33 Spendenhotline: 0221 200 499-0 Online: www.islamicrelief.de SMS: Syrienhilfe (für jede SMS fallen 17 Cent Mobilfunkgebühren an) 

Kurzprofil Islamic Relief Deutschland e.V.

Islamic Relief Deutschland, 1996 in Köln gegründet, ist eine international tätige Hilfsorganisation. Dank des weltweiten Netzwerkes von Partner- und Projektbüros in mehr als 40 Ländern erreich sie mit Nothilfe- und Entwicklungsprojekten bedürftige Menschen in Afrika, Asien, Nahost und Osteuropa. Die Gründungsgeschichte von Islamic Relief geht zurück auf das Jahr 1984 und begann mit der Hungersnot am Horn von Afrika. Ihre Arbeit ist transparent, ganzheitlich und nachhaltig. Den islamischen Werten folgend verpflichtet sie sich dazu, Armut und Leid der Ärmsten zu lindern – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, Religion und Kultur. Islamic Relief Deutschland arbeitet eng mit anderen Hilfsorganisationen zusammen, unter anderem als Mitglied im Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Horst Köhler, Bundespräsident a.D., und als Mitglied von „Gemeinsam für Afrika“ unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck. Weiteres unter www.islamicrelief.de

Für Rückfragen und weitere Informationen können Sie sich jederzeit an die Pressestelle von Islamic Relief Deutschland wenden.

 

Originalbeitrag:

www.presseportal.de

Welt-Diabetes-Tag – Diabetes: Neue Methoden, um Zucker zu senken

Eines Tages ist es so weit: Die Bauchspeicheldrüse schwächelt, schafft die Insulinproduktion nicht mehr. Dabei gibt es zwei Ursachen. Beim Typ-1-Diabetes, der meist im Kindes- und Jugendlichenalter auftritt, hat ein Autoimmun-Defekt die Inselzellen in der Bauchspeicheldrüse zerstört. Beim viel häufigeren Typ 2 – früher Altersdiabetes genannt – ist meist das Übergewicht schuld. Denn die mit dem Menschen älter werdende Bauchspeicheldrüse produziert weniger Insulin, und zusätzlich erschweren verfettete Zellen und zu viel Kalorienaufnahme die Wirkung des Hormons.

Mögliche Folgeschäden

Die Folgen sind unterschiedlich. Junge Diabetiker verhungern durch den Insulinmangel quasi bei lebendigem Leib und entdecken deshalb auch rasch durch die Symptome großer Durst, vermehrter Harndrang und permanente Erschöpfung ihre Erkrankung.

Anders beim Typ 2. Er bleibt durchschnittlich sieben Jahre lang unbemerkt, verursacht keine Schmerzen, doch seine Wirkung im Körper ist dramatisch. Oft wird erst nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall der bereits bestehende Diabetes entdeckt. Aber auch Erblindungen, Erektionsstörungen, schlecht heilende Verletzungen (vor allem an den Füßen) und Schädigungen am Nervensystem können die Folgen sein.

Lebensretter Insulin

Bis vor etwa 90 Jahren waren Erkrankte unwiderruflich todgeweiht. Doch dann entdeckten die kanadischen Forscher Frederick Banting, John Macleod und Charles Best das lebensrettende Hormon in Schweine- und Rinderkörpern – die Insulintherapie war erfunden. Heute wird das Hormon nicht mehr aus Tieren, sondern aus Hefepilzen gewonnen, die in Hightech-Anlagen gentechnisch gezüchtet, dann vermehrt und schließlich „abgeerntet“ werden.

Der einzige Nachteil der lebensrettenden Therapie: Insulin kann dem Körper bisher ausschließlich per Injektion zugeführt werden, weil die Salzsäure des Magens das sensible Hormon in einer Tablette zerstören würde. Doch das soll sich, wenn es nach den Forschern geht, schon bald ändern.

Neue Hormone im Visier

In den letzten Jahren wurden zwei weitere Hormone entdeckt, die ebenfalls im komplexen Verdauungssystem des Menschen eine wesentliche Rolle spielen. Die Glucagon-Like-Peptide (GLP1) und die Sodium Glucose Co-Transporter-2 (SGLT2). Sie sind als orale Antidiabetika bereits seit einigen Jahren erfolgreich im Einsatz. Die Tabletten unterscheiden sich aber doch deutlich in der Wirkungsweise.

GLP1 stimuliert die Insulinproduktion in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Es senkt die Produktion von Glucagon in den Alphazellen der Bauchspeicheldrüse. Glucagon selbst setzt Glucose (Traubenzucker) aus der Leber frei. Darüber hinaus verzögert es die Entleerung des Mageninhaltes in den Darm und stimuliert das Sättigungsgefühl.

Anders bei SGLT-2 (Sodium-Glucose linked transporter 2). Dabei handelt es sich um ein Eiweiß. Ist es aufgrund einer erblichen Störung nicht funktionsfähig, finden sich bei betroffenen Personen hohe Zuckerwerte im Urin, ohne dass sie durch einen hohen Blutzuckerspiegel verursacht wurden. Das machen sich die SGLT-2-Hemmer zunutze: Der Blutzuckerwert wird gesenkt, gleichzeitig verliert man Gewicht – überschüssiger Zucker und Kalorien werden einfach weggepinkelt. Mittlerweile sind beide Substanzklassen gut erforscht, und bislang gibt es keinerlei Hinweise auf unerwünschte Nebenwirkungen, vor allem keine der gefürchteten Unterzuckerungen (Hypoglykämien).

Forschung und Weiterentwicklung

Für die Pharmafirmen liegen die nächsten logischen Weiterentwicklungen daher auf der Hand. Beim dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk forscht man daran, wie man einerseits fixe Kombinationen von Insulin und dem GLP1 in einer einzigen Injektion verabreichen kann, und andererseits, wie man die beiden empfindlichen Substanzen unbeschadet durch das Salzsäurebad des Magens transportieren kann.

Dazu experimentieren die Forscher nicht nur mit einer Pillenpresse, die mit 8,5 Newtonmeter die Wirkstoffe verdichtet. Eine noch im Entwicklungsstadium befindliche Beschichtung der Tabletten soll nicht nur zusätzlichen Schutz bieten, sondern auch am richtigen Ort – am Anfang des Dickdarms – die Wirkstoffe freisetzen.

Bei Eli Lilly in den USA geht man ähnliche Wege. Dort will man das selbst entwickelte Gliflozin – so der Name für die SGLT-2-Substanzen – in Kombination mit dem relativ altgedienten Metformin – vermarkten. Vor Kurzem wurde dafür von der US-Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung erteilt. Parallel dazu entwickelt man bei Eli Lilly aber auch ein GLP1-Medikament, das nur noch ein Mal pro Woche eingenommen werden muss.

Therapie ohne Hürden

„Wir wissen, dass besonders Typ-2-Diabetiker häufig viele Pillen pro Tag schlucken müssen – Bluthochdruck und erhöhtes Cholesterin sind oft Begleiterscheinungen vom Diabetes-Typ-2“, erläutert Christophe Arbet-Engels von Boehringer Ingelheim, wo man in Sachen Diabetes mit Eli Lilly zusammenarbeitet. „Wir glauben, dass die Compliance der Patienten steigt, wenn sie nur ein Mal pro Woche ein Medikament nehmen müssen.“

Der französisch-deutsche Konzern Sanofi forscht derzeit an der Weiterentwicklung seines erfolgreichen Langzeit-Basalinsulins Lantus. Die Prüfsubstanz des neuen Insulins U300 ist eine Formulierung auf Basis des Moleküls Glargin, dem biologischen Wirkstoff von Insulin glargin, dessen Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil gut untersucht und etabliert ist. U300 hat in Studien ein flacheres und verlängertes Wirkprofil als Insulin glargin gezeigt.

Diese Haupteigenschaft ist verantwortlich für weniger Hypoglykämien, besonders der Prozentsatz an schweren und nächtlichen Unterzuckerungen war in klinischen Studien mit insgesamt 3500 Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes deutlich reduziert. Die Senkung des Risikos von hypoglykämischen Ereignissen ist zwingend für die wirksame Zuckereinstellung, und U300 scheint gerade in den ersten Wochen der Insulineinstellung Unterzuckerungen zu reduzieren.

Das Fazit: Für Diabetiker kommen neue Medikamente auf den Markt, die den Verlauf der Krankheit besser und naturnäher therapieren. Eine Heilung ist allerdings in keinem Konzept vorgesehen. Keinen Diabetes zu bekommen ist jedoch der großen Mehrheit der Typ-2-Diabetiker vorbehalten: Durch vernünftige Ernährung und ausreichend Bewegung könnte mindestens die Hälfte der Typ-2-Erkrankungen vermieden werden. (Peter Hopfinger, DER STANDARD, 14.11.2014)

Artikel-Quelle:

derstandard.at/2000008115350/Diabetes-Neue-Methoden-um-Zucker-zu-senken

Ernährung: Kilos runter, Kilos rauf

Populäre Diätprogramme führen nicht zu dauerhaftem Gewichtsverlust – manche sind sogar gefährlich und belasten den Körper stärker als Übergewicht.

Von Werner Bartens

Logik kann grausam sein und die schöne heile Welt der Vorurteile zerschmettern. Beispiel? Würde es eine, nur eine einzige Diät geben, die tatsächlich wirkt – dann kämen doch nicht jedes Jahr Dutzende neue auf den Markt, oder? Auch wenn es ein hübsches psychologisches Ratespiel ist, sich zu überlegen, welcher Abnehm-Wahnsinn die nächste Modewelle anführt: Folgt auf die Blutgruppen-Diät, auf Schlank-im-Schlaf und die Mondphasen-Diät vielleicht bald Schlank-im-Suff?

Überraschend ist es daher nicht, was kanadische Ärzte im Fachblatt Circulation (online) beschreiben: Sie haben populäre Diäten untersucht und ausgewertet, ob sie zu einem langfristigen Gewichtsverlust führen. Atkins, South Beach, die Zone-Diät und die Programme der Weight Watchers wurden getestet und mit kostenlosen Diätplänen für den Hausgebrauch verglichen: einer Umstellung des Alltags, einer Ernährungsberatung und Selbsthilfeprogrammen. Keines der getesteten kommerziellen Verfahren führte dauerhaft zum Ziel. Zwar nahmen die Teilnehmer zwischen einem und sechs Kilogramm im ersten Jahr ab, doch der Gewichtsverlust in der Vergleichsgruppe war ähnlich stark.

Die getesteten Methoden reduzierten das Gewicht nicht dauerhaft

Was noch schlimmer wog: Spätestens nach zwei Jahren hatten die Probanden ihr ursprüngliches Gewicht wieder drauf. Manche legten an Bauch und Hüften sogar noch mehr zu, als sie vorher hatten. „Obwohl sie populär sind und einen großen Teil zur milliardenschweren Diätindustrie beitragen, können wir nicht behaupten, dass diese Methoden dauerhaft zur Gewichtsreduktion beitragen oder gar die Risiken für Herzerkrankungen verringern“, sagt Mark Eisenberg von der McGill Universität, der die Studie geleitet hat.

Bei der Atkins-Diät werden wenig Kohlenhydrate gegessen, dafür hauptsächlich Eiweiß und Fett. Auch bei der South-Beach-Diät werden die Kohlenhydrate stark eingeschränkt. Nach der Zone-Diät werden in einem festen zeitlichen Abstand Mahlzeiten über den Tag verteilt, die einen genau definierten Anteil an Fett, Eiweiß und Kohlenhydraten enthalten. Bei allen Verfahren wird von Wissenschaftlern oder der Deutschen Gesellschaft für Ernährung die Wirksamkeit angezweifelt, zudem werden sie als potenziell schädlich oder zu kompliziert bewertet. Das Programm der Weight Watchers enthält sinnvolle Elemente zur Gewichtsreduktion, doch die eigene Produktpalette mit Punkten für jedes Nahrungsmittel ist zum Abnehmen nicht nötig und wurde oft kritisiert.

Der Jojo-Effekt belastet den Körper stärker, als einfach mit etwas Übergewicht zu leben

Wissenschaftler wissen zudem, dass der Jo-Jo-Effekt nicht nur ernüchternd für Diät-Willige ist, sondern auch ungesund. Versucht beispielsweise ein 1,80 Meter großer und 100 Kilogramm schwerer Mann immer wieder abzunehmen und reduziert sein Gewicht auf 86 Kilo, legt dann auf 102 zu und vollführt diese Achterbahnschwankung mehrmals, so ist das belastender für Herz, Kreislauf und Stoffwechsel, als wenn er konstant seine ursprünglichen 100 Kilogramm gehalten hätte.

Um Gesundheit geht es bei den vielen Versuchen abzunehmen sowieso nicht immer. Neben dem modischen Ideal der drahtigen Körper sind diese eben auch Sinnbild für Disziplin und Leistungswillen. Wer sich kasteit, kann vermutlich leicht für andere Aufgaben gewonnen werden – auch wenn er die Kilos nach ein paar Monaten wieder drauf hat.

Ärzte und Ernährungsexperten wissen zudem längst: Dauerhafte Gewichtsreduktion ist nur mit einer langfristigen Umstellung der Gewohnheiten zu erreichen. Dazu gehört vor allem, weniger aufzunehmen als zu verbrauchen, sei es durch weniger essen oder durch mehr Bewegung – am besten beides.

 

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www.sueddeutsche.de