Diätpillen und Potenzmittel – Giftige Nahrungsergänzungsmittel überschwemmen das Netz

Sie sollen schön, schlank oder gesund machen: Pillen, Pulver oder Tropfen aus der Natur, die im Internet verkauft werden. Doch einige von ihnen sind hochgiftig. Angeboten wurden sie auch über Plattformen wie Amazon oder Ebay.
Angeblich kann „MMS“ („Miracle Mineral Supplement“) Grippe, Krebs und Beckenbrüche heilen. In Wahrheit aber ist es hochgiftig. Das berichtet der Bayerische Rundfunk (BR) in einer aktuellen Reportage. Das angebliche Naturheilpräparat dürfe nicht als Arzneimittel verkauft werden und habe bei vielen Käufern bereits bedenkliche Nebenwirkungen hervorgerufen – sei aber ganz leicht im Internet zu bestellen. Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor der Einnahme, weil diese unter anderem zu Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen führen kann und bei Hautkontakt zu Verätzungen führen kann. Kein Wunder – MMS ist nichts anderes als der Ausgangsstoff für ein Bleichmittel.

Anbieter sitzen im Ausland – meistens

Auch so manche Diätpillen, Potenzmittel oder „Pseudomedikamente“ zählten zu den gefährlichen Produkten aus dem Netz, so der BR. Die angeblich rein natürlichen und pflanzlichen Mittelchen werden als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, enthalten in vielen Fällen jedoch in Deutschland verbotene oder verschreibungspflichtige Substanzen. Die zahlreichen Anbieter operierten meist aus dem Ausland – doch auch in Bayern fand der BR Händler. Sie nutzen dafür unter anderem die großen Verkaufsplattformen Ebay und Amazon.

Rechtlich seien diese Plattformen nicht verpflichtet, einen Artikel zu überprüfen, der von privaten Händlern angeboten wird. Gegenüber dem BR erklärte Amazon (das die Produkte nicht selbst verkauft, sondern die Verkaufsplattform zur Verfügung stellt), erst dann zu reagieren, wenn es von Dritten auf verbotene Aktivitäten hingewiesen werde. Der Verkauf illegaler Waren sei den Anbietern jedoch untersagt. Bei Ebay suchten Mitarbeiter aktiv nach unzulässigen Angeboten, das Online Aktions- und Versandhaus arbeite außerdem nach eigenen Angaben eng mit den Behörden zusammen.

Die Handelsplattformen hätten inzwischen schon reagiert, berichtet der BR: Viele der zweifelhaften Angebote seien mittlerweile aus dem Netz entfernt worden oder sollen demnächst entfernt werden.

Jedes dritte Mittel ist schädlich

Auch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt auf ihrer Internetseite vor den angeblich natürlichen Pillen, Tees und Pülverchen aus dem Internet: In einem Test 2012 bestellte die Verbraucherzentrale 78 Produkte aus den Kategorien Anti-Aging, Gewichtsreduktion, Potenz- und Libido-Steigerung sowie Fitnesszuwachs für Freizeitsportler. Das Ergebnis: Fast jedes dritte Nahrungsergänzungsmittel ausländischer Herkunft, das online angeboten wurde, enthielt für den Käufer nicht erkennbar illegale und hochgradig gesundheitsschädliche Substanzen.

Neun von zehn Produkten, darunter alle getesteten Schlankheitsmittel, hätten aufgrund gravierender Kennzeichnungsmängel nicht in Deutschland angeboten oder verkauft werden dürfen. Jedes vierte Mittel sei zum Beispiel nicht in deutscher Sprache beschriftet gewesen, bei vier von fünf Produkten fehlten die nach europäischem Recht vorgeschriebenen Warnhinweise zur Einnahme. Jedes dritte Mittel enthielt nicht zugelassene Wirkstoffe, die weder auf der Verpackung noch auf der Website angegeben waren. Und obwohl alle Mittel als „natürlich“ angeboten wurden, enthielten viele der Mittel verbotene und riskante Arzneien.
 
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